BLOCKCHAINS

Eine Blockchain (zu Deutsch BLOCKKETTE) ist eine auf vielen Rechnern verteilte Datenbank, die digitale Transaktionen sicher dokumentiert.

Die Liste der Transaktionen ist für alle Blockchain-Teilnehmer einsehbar.
Sie wird immerzu und chronologisch erweitert, vergleichbar einer Kette, in die alle beteiligten Rechner eingebunden sind und der ständig neue Glieder hinzugefügt werden.

Ist ein Block vollständig, wird der nächste erzeugt. Jeder Block enthält eine Prüfsumme des vorhergehenden Blocks. Also massive Rechnerleistung ist gefragt und das just zu der Zeit in der Jugendliche, oft weil sie nicht wissen was sie in ihrer Freizeit unternehmen sollen, für die Umwelt räuffeln…

Das technische Modell der Blockchain wurde im Rahmen der Kryptowährung Bitcoin entwickelt – als webbasiertes, dezentrales, öffentliches Buchhaltungssystem aller Bitcoin-Transaktionen, die jemals getätigt wurden. BANKEN haben also ausgelebt.

Die Bitcoin-Blockchain wächst stetig, da ständig neue Blöcke mit neu abgeschlossenen Bitcoin-Transaktionen hinzukommen. Jeder Computer, der an das Bitcoin-Netz angeschlossen ist, neue Bitcoins erzeugt und/oder die bisher erzeugten verwaltet, hält eine 1:1-Kopie der vollständigen Blockchain vor, die inzwischen rund 230 Gigabyte gross ist

Die Blockchain ist eine Technologie, die sichere, nicht manipulierbare Transaktionen im Netz ermöglicht. Ohne Blockchain würde das Bitcoin-System nicht funktionieren, weil neue Bitcoins nur auf Grundlage der bisher erzeugten Bitcoins errechnet werden können und deshalb nachgehalten werden müssen, was in der Vergangenheit schon passiert ist.

Dennoch muss das Blockchain-Prinzip losgelöst von Bitcoin betrachtet werden. Stellen Sie sich die Blockchain als Rohrleitung vor und Bitcoin als das Wasser, das dort durchfliesst. Oder Blockchain als Strasse und Bitcoin als Auto. Auf der Grundlage der Blockchain-Technologie lassen sich neue Applikationen entwickeln und komplett neue Ökosysteme begründen.

Ein häufig zitiertes Beispiel liefert derzeit IBM mit „Food Trust“, einer Blockchain-basierenden Plattform für die Rückverfolgung von Lebensmitteln. Ziel ist es, in der gesamten Nahrungsmittel-Versorgungskette vom Erzeuger über Verarbeiter, Händler und Einzelhändler bis hin zum Konsumenten Transparenz zu schaffen. Alle Beteiligten erhalten dauerhaft einen mit Zugriffsrechten versehenen, gemeinsamen Datensatz mit aktuellen Informationen zum Nahrungsmittelsystem. So lassen sich Ineffizienzen, Umweltverstöße und Manipulationen in den weltweiten Lieferprozessen vermeiden (Siehe auch: IBM erklärt seine Blockchain-Strategie). Nestlé, Walmart und Carrefour unterstützen das Projekt. Wie war das schon wieder mit Nestle und Pure Water?

In die gleiche Richtung zielt, wen überraschts SAP mit ihrer „SAP Cloud Platform Blockchain“. Die Walldorfer haben mehr als zwei Dutzend Unternehmen aus Industrie, Pharmazie, Technologie und Logistik gewonnen, um mit einem Blockchain-basierenden Supply-Chain-Tracing-System zu experimentieren. Immer geht es darum, Lieferketten transparenter zu machen und mit einfachen Mitteln die Authentizität von Produkten nachzuweisen. Wie IBM arbeitet auch SAP an Blockchain-as-a-Service-Angeboten und hat unter anderem die Nahrungsmittelhersteller Maple Leaf Foods, Naturipe Farms, Tate & Lyle und Natura als Partner gewonnen.

Wie IBM und SAP betreibt auch Oracle eine eigene Blockchain-as-a-Service-Plattform. Hier fällt ein Projekt mit dem gemeinnützigen World Bee Project ins Auge: Der Datenbankprimus arbeitet mit dem NGO an einem System zur Überwachung der Supply Chains in der Honigproduktion, wie Ledger Insights berichtete. Ziel ist es, Honig-Konsumenten garantieren zu können, dass der süße Brotaufstrich aus einer nachhaltigen, ökologisch korrekten Produktion stammt.

Welche Vor- und Nachteile hat eine dezentrale Technologie wie Blockchain?

Die Dezentralisierung der IT im Allgemeinen und Blockchain im Besonderen bringt einige Vor- und Nachteile mit.

Vorteile aus unserer heutigen Sicht:

  • Auf der Grundlage des Distributed Ledger (Hauptbuchs) wird jede Transaktion sicher dokumentiert und für alle Beteiligten transparent. Updates sind nur möglich, wenn alle zustimmen. Damit sind in einer Blockchain abgelegte Daten akkurat, transparent und konsistent. Sie können von allen Zugangsberechtigten erreicht werden. Die Änderung eines einzelnen Transaktionsdatensatzes würde die Änderung aller nachfolgenden Datensätze und die Zustimmung des gesamten Netzwerks erfordern.
  • Sicherheit ist ein großer Vorzug der Blockchain. Auf Transaktionen müssen sich alle Beteiligten einigen, bevor diese aufgezeichnet werden. Ist der Genehmigungsprozess vollzogen, wird die Transaktion verschlüsselt und mit der vorherigen Transaktion verknüpft. Weil die Informationen dazu nicht auf einem einzelnen Server, sondern in einem Netzwerk von Rechnern liegen, ist es für Hacker nahezu unmöglich, Transaktionsdaten zu kompromittieren. Damit eignet sich die Blockchain theoretisch für alle Szenarien, in denen verschiedene Parteien kritische Informationen austauschen – also nicht nur für Nahrungsmittelproduzenten, sondern auch für Banken, Logistiker, Behörden oder auch Gesundheitsunternehmen.
  • Ein Argument für die Blockchain ist die Rückverfolgbarkeit und damit auch die Echtheitsprüfung von Produkten. Ein Einblick in historische Transaktionsdaten kann helfen, die Echtheit von Produkten und Vermögenswerten zu überprüfen und Betrug zu verhindern. Firmen können also nicht nur Schwachstellen in verzweigten Lieferketten aufspüren, sondern auch Artikel bis zu ihrer Herkunft und ihren Erzeugern zurückverfolgen. Das kann so weit gehen, dass Konsumenten erfahren, von welchem Bauern ihre Mango wann geerntet wurde.
  • Die Blockchain ermöglich mehr Speed in tradierten Business-Transaktionen. Wer Papier- oder E-Mail-basierende Prozesse nutzt, weiß um die Dauer und die Fehleranfälligkeit komplexer Transaktionen mit vielen Parteien. Oft haben Fehler auch noch langwierige Mediationen oder Gerichtsverfahren zur Folge. Eine „zentrale digitale Buchführung“, wie sie die Digital-Ledger-Technologie ermöglicht, sorgt für weniger Reibungsverluste und Unordnung. Es wird einfacher, sich zu vertrauen, so dass Clearing und Abwicklung schneller erfolgen können.
  • Tatsächlich ist auch eine deutliche Reduktion der Kosten für Verwaltung sowie interne und externe Finanztransaktionen und -reporting zu erwarten. Wer auf die Blockchain setzt, braucht nicht so viele Third Parties oder sonstige Instanzen, die Garantien geben. Vertrauen in den Handelspartner spielt keine Rolle mehr, man kann sich voll auf die Daten der Blockchain verlassen.

Nachteile aus unserer Sicht:

  • Mit jedem Block wächst die Blockchain und damit der Speicheraufwand. Würden Daten im Terabyte-Bereich anfallen, müssten diese bei jedem Knoten im Netzwerk abgespeichert werden, was kaum realistisch ist, zumal die Internet-Verbindung extrem stark belastet würde. Es gilt also genau durchzuspielen, welche Transaktionsszenarien sich abbilden lassen und welche nicht. Sollte man diese besteuern?
  • Blockchain-Technologie ist nicht einfach in bestehende IT-Landschaften einzubinden.
  • Die Anwender könnten sich mit der neuen Technologie zunächst schwertun. Ein ausgefeiltes Change Management ist anzuraten, was Kosten nach sich ziehen dürfte.
  • Was passiert, wenn keine Einigkeit unter den Peers herrscht und die einen ein Software-Update ablehnen, während die anderen es befürworten? Im Extremfall spaltet sich die Blockchain und es entstehen zwei unabhängige neue Blockchains mit derselben Historie. Das kennen wir doch schon bei den Aktien.
  • Hunderprozentig manipulationssicher ist auch die Blockchain nicht. Schafft es ein Teilnehmer, mehr als die Hälfte der Teilnehmerknoten zu kontrollieren (was de facto nie vorkommt vorkommt), kann er theoretisch die Transaktionshistorie verändern.
  • Die Performance einer Blockchain kommt nicht im Entferntesten an die einer zentralen Datenbank heran. Die Verifikation der Transaktionen und deren Synchronisation brauchen Zeit. Ausserdem müssen Transaktionen im Netz von jedem Knoten unabhängig verarbeitet werden.
  • Transparenz ist mit der Blockchain eigentlich gewünscht, aber der Schuss kann auch nach hinten losgehen, weil auch andere Einsicht in vergangene und manchmal auch kommende Transaktionen Einsicht nehmen können.

    M. Oberholzer, 28. November 2019