VERZASCASTAUSEE, 31. DEZEMBER 2021

1965 wurde diese vierthöchste Staumauer der Schweiz fertiggestellt.

Sie hat eine beachtliche Höhe von 220 Metern, gehört zur höchsten Europas und heute ist der Stausee der Lago Vogorno genannt wird, merheitlich leer.

Er wurde zu Sanierungsarbeiten an der Staumauer entleer und wird nun natürlich, d.h. ohne menschliches Zutun wieder aufgefüllt.

Dies geschieht über Monate durch Regeanwasser welches direkt oder indirekt in den See fliesst. Im Frühling kommt dann ergänzend das Schmelzwasser der Berge weiter oben zur „Hilfe“.

Der Speichersee welcher für mich bei der Brücke Ponte di Corippo auf 496 Metern liegt und beginnt, auf liegt auf etwa 480 Metern. Der See ist etwa 6 Km lang.

Heute am 31. Dezember 2021 finden sich bei warmen Temperaturen um knapp 20 Grad hunderte von Interessierten hier ein. Die meisten knipsen nur gerade vorn der Staumauer Richtung Norden, wenige nehmen sich dafür wie ich mit meinem Velo einige Stunden dafür Zeit.

Geschichte der (Römer ?) Brücken:
Diese wurden im 17. Jahrhundert erbaut und sind im Zusammenhang mit dem Weg über den Monte Ceneri zu sehen.

Zwei der Brücken aus dieser Zeit habe ich recht gut erwischt, für eine perfekte Aufnahme hätte ich aus Sicherheitsgründen zu zweit sein müssen.
Foto bei Vogorno.

Zur Staumauer:
Die Staumauer wurde von 1961 bis 1965 erbaut.

Zur Wandergegend:
Das Verzasca-Tal gehört für mich seit ich 14 Jahre alt bin (Töfflialter, Camping Da Giorgioe Tenero) zu den schönesten der zahlreichen Täler im Tessin. Weit oben hat die Verzasca ihren Geburtsort. Diese Gegend da oben bei Sonogno ist alleine zwei Wander-Tage wert. Die Verzasca hat die Quelle weit oben beim Lago Barone auf 2390 Metern über Meer, etwas weiter inten als Sonogno (924 M.ü. M.), dem hintersten Dorf welches vom Posti angefahren wird. Dieser Abschnitt alleine ist gute zwei Tage Wandeung wert.

Namensgebung:
Der Name Verzasca entspringt den Worten „verde Aqua“ grünes Wasser. Und noch heute ist es so, dass die Verzasca oft grünlich erscheint wenn man das Wasser bis zum Grund betrachten kann weil das Wasser so sauber ist, kristallklar eben. Das Verzascatal beginnt oben in Sonogno und endet in Lavertezzo, da wo eben noch heute viele dieser schönen Brücken zu sehen sind die nicht unter Wasser gesetzt wurden hi.

Ponte di Salti:
Diese Römerbrücke in Lavertezzo führ über die Verzasca und wurde nach der Zerstörung 1868 im Jhare 1960 neu aufgebaut. Ganz in der Nähe befindet sich die Kappelle welche im 18. Jh. erbaut wurde. Das Verzascatal bietet diverse Bade- und Schwimmmöglichkeiten. Die bekanntesten Flussteiche befinden sich in Lavertezzo und Brione Verzasca. Die beliebtesten Tauchstellen sind der „Pozzo della Misura“ und der „Pozzo dei Salti“. Der Fluss mit seinem kristallklaren und smaragdgrünen Wasser kann allerdings auch Gefahren bergen. Beachten Sie deshalb bitte die Hinweisschilder vor Ort.

Verschiedenes:
Zum ersten Mal seit 56 Jahren wird der Stausee im Verzascatal vollständig entleert. Während Techniker am Seegrund Sanierungsarbeiten durchführen, gibt der abgesenkte Wasserspiegel den Blick frei auf einstige Weingärten und eine verwunschene Brücken aus der späten Römerzeit im 17 Jh.

Stein um Stein sind sie noch immer aufgeschichtet, trotz der Wassermassen, die sich Jahr für Jahr in Richtung Lago Maggiore bewegen: Die Mäuerchen der einst fruchtbaren Terrassen-Gärten von Vogorno kommen erst jetzt, wo die Verzasca leer ist, wieder zum Vorschein.

Die Bewohner aus dem Dorf Vogorno züchteten früher unten die Traubensorte Uva Americana. Die Vogorneser waren auch die einzigen im Tal, die gegen den Bau der Staumauer stimmten, doch genützt hat es nichts“, ähnlich wie beim Stausee im Göscheneralptal. 2008 habe ich auf einer meiner Wanderungen zur Dammahütte diesen Bericht erstellt.

Bordoli ist der erste „Sindaco“ der 2020 zur Gemeinde Verzasca zusammengeschlossenen Dörfern im Tal. Damals war das Tal noch wild und tief eingeschnitten. Der Talgrund war bewaldet, die Kantonsstrasse schlängelte sich weiter unten im Tal in Richtung Berge.

Dort lag auch einst auch der Dorfteil Pioda, in dem es eine Post, eine Tankstelle sowie einige Osterie gab. 20 bis 30 Personen hätten dort gelebt, sagt Bordoli. Der Wald wurde gerodet, die Häuser zerstört, bevor das Wasser kam.

Lebensdauer einer Staumauer:
In diesem Winter wird der Stausee zum ersten Mal seit 56 Jahren vollständig entleert. Die Techniker der Verzasca SA erneuern unter anderem den Korrosionsschutz im Schacht unter dem Stausee. Auch müssten die Betonwände in der Expansionskammer saniert werden.

Die Drosselklappen der Druckrohrleitungen müssen ersetzt werden. Sie dienen der Unterbrechung des Wasserflusses im Falle eines Kraftwerksausfalls.

Für den Bedarf an solchen Renovationsarbeiten gibt es keinen exakten Fahrplan. Je nach Charakteristik des Wassers würden sie früher oder später fällig. Auch die Lebensdauer eines Stausees hänge von lokalen Gegebenheiten wie der Geologie und der Wasserbeschaffenheit ab und könne deshalb sehr unterschiedlich sein. Zum Beispiel der Gelmerstausee wird diesen Winter ebenfalls vollständig entleert, und das nach über 90 Betriebsjahren.

James Bond, alsias 007 machte die Staumauer weltberühmt:
Oben auf der schwindelerregend hohen Staumauer merkt man an diesem sonnigen Freitagmorgen nichts von der Korrosion weiter unten. Ein paar Wanderer geniessen den Ausblick in Richtung Lago Maggiore. 1995 sprang hier Pierce Brosnan alias James Bond oder „Zero Zero Sette“, wie man ihn im italienischsprachigen Raum nennt, an einem Bungeeseil von der Mauer. Von Bond geblieben ist der Name des heutigen Bungee-Jumps: „Golden Eye“.

Weiter oben im Tal zeugen Warnschilder auf Englisch davon, das Touristen sommers in Horden zum kristallklaren Wasser der Verzasca pilgern: „It can happen in a moment“. Und in Deutsch: „Sicherheit im Wasser: Es liegt an dir“. Die berühmte „Ponte dei Salti“ liegt an diesem Dezembertag still im Schatten, auf der Wiese unter den Brückenpfleilern leuchtet Schnee.

In diesem Winter ist auch die kleine Schwester der „Römerbrücke“ Ponte dei Salti )Mein Bild oben) wieder sichtbar. Sie spannte sich einst über den seitlichen Zufluss zur Verzasca unterhalb von Vogorno. Dann kam der Stausee und begrub die Brücke.

Das Wasser scheint ihr jedoch kaum etwas anzuhaben. Fast trotzig steht sie da in der steinigen Mondlandschaft des trockenen Flussbetts. Früher nahm man sich mehr Zeit zum Bauen. Kein Wunder, würden die Bauten von damals besser halten.

Die im Sommer mitunter lebensgefährliche Verzasca ist jetzt ein ruhiger Bach, der sich am Talgrund seinen Weg bahnt. Bei der Verbreiterung unterhalb der alten Brücke kann man beobachten, wie das Wasser Material vorwärts schiebt: In poetischen Wellen schaukelt die Wassermasse vorwärts. An den Hängen hat der Fluss feinen Sand hinterlassen. Auf einer der einstigen Weinterrassen liegt eine mächtige Baumwurzel. Auch sie hat dem kalten Wasser des auf 2864 Metern Höhe entspringenden Wildflusses getrotzt.

Rund 15’000 Kubikmeter Material wird die Verzasca bis zur vollständigen Entleerung Ende Januar in den Lago Maggiore transportiert haben. Am Ufer des bis nach Italien reichenden Sees werde man davon kaum etwas merken.

Danach, wenn im Frühling 2022 die Regenfälle einsetzen und der Schnee schmilzt, wird sich der Stausee langsam wieder füllen. Und das kalte Wasser der Verzasca wird ein zweites Mal Wurzeln, Sand und Weinterassen in den Dornröschenschlaf versetzen.

 

Im Juni 2022 hat Heidi dieses Foto geknipst vom Verzasca Stausee.

Gut zu sehen, die eine Brücke aus der Römerzeit die noch über Wasser steht und theoretisch begangen werden könnte.

Wäre der Sommer dieses Jahr nicht so unerträglich trocken und heiss, der Stausee wäre bestimmt voller.

Im Oktober 2022 dann wie ich mit Regina ein paar tage im Tessin bin knipsen wird den Verzasca Stausee bereits einiges voller wie noch im Sommer dieses Jahres.

Im Dezember dürfte der Stausee dann vermutlich wie prognostiziert wieder voll sein.

 

AEUGST, 31. Dezember  2021